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🛑Du darfst gehen – Warum Abgrenzung von den eigenen Eltern kein Scheitern ist, sondern Heilung

  • 12. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Dez. 2025

Ein traumasensibler Blogartikel über Kontaktabbruch, Selbstschutz und den Unterschied zwischen Begleitung und Bevormundung


„Ich werde dir nie empfehlen, den Kontakt zu deinen Eltern abzubrechen – denn das hieße, du lehnst deine Wurzeln ab.“


Diesen Satz hörte ich kürzlich in einem Video einer Coachin. Und ich möchte ihn hier ganz bewusst aufgreifen – nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern weil er beispielhaft zeigt, wie tief übergriffige Konzepte noch immer in der Coaching- und Selbsthilfeszene verbreitet sind.




🚫Empfehlung? Oder doch Bevormundung?



Wenn ein Coach oder eine Coachin sagt: „Ich würde dir nie empfehlen, den Kontakt abzubrechen“, dann stellt sich mir als erstes die Frage:

Seit wann ist es unsere Aufgabe, Empfehlungen zu geben?


Als professionelle Begleiterin – sei es im Coaching oder in der Therapie – empfehle ich nicht, wie jemand sein Leben zu führen hat.

Ich begleite. Ich halte den Raum. Ich stelle Fragen. Ich gebe Impulse.

Aber die Entscheidung, welchen Weg jemand geht, liegt niemals bei mir.


Eine pauschale Nicht-Empfehlung ist genauso übergriffig wie ein pauschales “Du musst den Kontakt abbrechen”.

Beides ist falsch. Beides ist ein Eingriff in die Autonomie des Gegenübers.




💥Kinder sind nie schuld – aber oft allein gelassen



Wenn wir über Eltern sprechen, sprechen wir über Bindung. Und Bindung ist existenziell. Für ein Kind ist es überlebenswichtig, geliebt zu werden – selbst wenn es dabei sich selbst aufgeben muss.


Kinder passen sich an. Schlucken Schmerz. Tragen Schuld, die ihnen nie gehörte. Und entwickeln Schutzmechanismen, die sie oft bis ins Erwachsenenalter begleiten.


Wenn dann jemand sagt: „Du darfst den Kontakt zu deinen Eltern nicht abbrechen, das ist ungesund“, wird genau diese alte Wunde reaktiviert.

Wieder wird dem verletzten Kind in uns gesagt:

„Du musst es aushalten. Du musst verstehen. Du darfst dich nicht schützen.“




🛑Kontaktabbruch ist kein Versagen – sondern oft der erste Akt von Selbstachtung



Niemand trennt sich leichtfertig von den eigenen Eltern.

Ein Kontaktabbruch ist nie bequem. Er ist oft das Ergebnis eines langen inneren Ringens, tiefer Trauer – und dem Wunsch nach Heilung.


Viele Menschen beginnen erst durch diese Abgrenzung, ihre Geschichte zu begreifen.

Sie hören auf, sich selbst zu übergehen. Sie beginnen, sich ernst zu nehmen.


🛑Abgrenzung ist kein Angriff.

🛑Abbruch ist kein Hass.

🛑Es ist oft der einzige Weg, sich aus einem destruktiven System zu befreien.




🧠Was sagt die Psychologie?



Die moderne Traumaforschung – ob durch die Polyvagaltheorie, Bindungstheorien oder systemische Ansätze – zeigt klar:

In Fällen von Missbrauch, emotionaler Gewalt oder Co-Abhängigkeit kann ein klarer Bruch notwendig und heilsam sein.

Aber: Nur in sicherem Rahmen und begleitet.


Denn: Ohne Abstand ist keine Reflexion möglich.

Und ohne Sicherheit keine Heilung.




🌱Du darfst deine Wahrheit leben – auch wenn andere sie nicht verstehen



Wenn du den Kontakt zu deinen Eltern abgebrochen hast – oder darüber nachdenkst –, dann weißt du, wie viel Angst, Zweifel und Schuld damit verbunden sind.


Aber du bist nicht allein.


Du bist nicht falsch.

Nicht schwach.

Nicht „unentwickelt“.


Du bist mutig.




🩷“I AM WOMAN” bedeutet: Ich darf Nein sagen

– und Ja zu mir selbst



Dein Weg ist einzigartig. Und vielleicht ist deine größte Heilung genau das:

Dass du dich heute selbst schützt – so, wie es damals niemand getan hat.


Du darfst deine Geschichte ehren. Du darfst fühlen, was war. Und du darfst entscheiden, was du brauchst.


Denn echte Entwicklung beginnt nicht bei der „Vergebung um jeden Preis“.

Sondern dort, wo du anfängst, dir selbst zu glauben.



Du darfst gehen.

Du darfst abgrenzen.

Du darfst heilen.


Und du darfst trotzdem lieben – dich selbst zuerst.



📌Wenn du Unterstützung auf deinem Weg suchst oder dich in diesem Thema wiedererkennst – ich begleite dich mit Mitgefühl, Klarheit und einem traumasensiblen Blick. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.


Eine Frau hält ihre Hand zum Stop hin

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